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Kräutertee
Kräuter & Gewürze
Teezubehör

März 20, 2026 4 min lesen.

Kaltaufgießen ist wohl die bequemste unter den guten Zubereitungsarten für Tee. Du gibst die Blätter in kaltes Wasser, gehst deiner Wege und findest Stunden später eine Tasse vor, die süßer, weicher und koffeinärmer ist als alles, was du mit dem Wasserkocher zubereiten könntest. Keine Temperaturkontrolle, kein nervöser Blick auf die Uhr, keine Bitterkeit, die du im Griff behalten musst. Die Methode funktioniert mit jeder Teesorte – Schwarztee, Grüntee, Weißtee, Oolong und Kräutertees – und dasselbe Glas eignet sich für alle.

Die Wissenschaft der kalten Extraktion

Heißes Wasser löst alles aus dem Blatt schnell und wahllos: Zucker, Aminosäuren, Gerbstoffe, Koffein, alles auf einmal. Kaltes Wasser ist wählerisch. Die süßen und herzhaften Verbindungen – die Aminosäuren und natürlichen Zucker – löst es bereitwillig, während die Gerbstoffe, die für Bitterkeit und Adstringenz verantwortlich sind, bei Kühlschranktemperatur kaum in Lösung gehen. Die Koffeinextraktion verlangsamt sich auf etwa ein Drittel des Tempos in heißem Wasser.

Das Ergebnis ist kein feiner, sondern ein grundlegender Unterschied: Derselbe Tee schmeckt kalt aufgegossen runder, süßer und klarer als heiß aufgegossen, ganz ohne zusammenziehenden Abgang. Die Zeit übernimmt die Rolle der Hitze als Antrieb für die Stärke – was der Wasserkocher in drei Minuten schafft, erledigt der Kühlschrank über Nacht.

Tee kalt aufgießen, Schritt für Schritt

Nimm 8 bis 10 Gramm losen Tee pro Liter kaltes, möglichst gefiltertes Wasser – etwa vier Teelöffel für ein normales Glas. Gib die Blätter direkt ins Wasser, verschließe das Gefäß und stell es in den Kühlschrank.

Lass den Tee je nach Sorte 6 bis 12 Stunden ziehen (Details weiter unten). Gieß ihn dann durch ein feinmaschiges Sieb in ein zweites Glas ab und bewahre den fertigen Aufguss im Kühlschrank auf. Trink ihn innerhalb von 48 Stunden – danach lassen die Aromen merklich nach.

Ein Glas oder eine Karaffe mit Deckel ist die einzige Ausrüstung, die du brauchst. Eine spezielle Cold-Brew-Flasche ist nicht nötig, auch wenn Modelle mit eingebautem Filter das Abseihen sauberer machen.

So passt du die Methode an jede Teesorte an

Grüntee – 6 bis 8 Stunden. Sencha und Gyokuro eignen sich besonders gut für den Kaltaufguss; vor allem beschattet angebauter Tee bekommt eine fast an Brühe erinnernde Süße, ganz ohne Bitterkeit. Wenn du nur einen Tee kalt aufgießt, dann einen japanischen Grüntee aus unserer Grüntee-Kollektion.

Schwarztee – 8 bis 10 Stunden. Rechne mit einer tiefen Farbe und vollem Geschmack bei nur einem Bruchteil der Adstringenz der heißen Variante. Malzige Tees wie Assam ergeben auf diese Weise eine gute Basis für Eistee, ganz ohne Süßungsmittel.

Weißtee und Oolong – 10 bis 12 Stunden. Diese aromatischen Sorten geben ihren Charakter in kaltem Wasser nur langsam ab; die lange Ziehzeit belohnt Geduld mit einem ungewöhnlich klaren Aroma.

Kräutertees – 8 bis 12 Stunden. Hibiskus färbt den Aufguss leuchtend rubinrot und schmeckt wie ein säuerlicher Fruchtsirup; Kamille und Minze ergeben beide einen klaren, erfrischenden Aufguss. Kalt aufgegossene Kräutertees sind von Natur aus koffeinfrei.

Häufige Fehler, die den Aufguss verderben

Mit warmem Leitungswasser anfangen. Das fühlt sich wie ein Vorsprung an, löst aber genau die Gerbstoffe, die die langsame Methode vermeiden soll. Kaltes Wasser von der ersten Minute an.

Zu viel Tee. Ab etwa 12 Gramm pro Liter bringt zusätzlicher Tee keine Süße mehr, sondern eine schwere, pflanzliche Note. Wenn du es kräftiger magst, lass den Tee lieber länger ziehen.

Die Blätter im Aufguss lassen. Nach mehr als 24 Stunden wird der Aufguss trüb und flach. Seihe ab, sobald die Ziehzeit um ist, auch wenn du ihn nicht sofort trinkst.

Aufbewahrung, Servieren und Aromazugaben

Bewahre fertigen Cold Brew in einem verschlossenen Glas im Kühlschrank auf, fern von stark riechenden Lebensmitteln. Serviere ihn pur oder an heißen Tagen auf Eis.

Wenn du ihn verfeinern möchtest, gib in der letzten Stunde einen Streifen Zitrusschale, ein paar frische Minzblätter oder eine Scheibe Ingwer ins Glas – das sorgt für eine dezente Note, ohne den Tee zu überdecken. Guter loser Tee braucht kalt aufgegossen selten Süße – die Methode selbst bringt den natürlichen Zucker des Blattes zur Geltung.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich eine spezielle Ausrüstung? Nein. Jedes Glas und jede Karaffe mit Deckel funktioniert. Abseihen kannst du mit einem Küchensieb.

Ist Cold Brew koffeinfrei? Nein – koffeinärmer, aber nicht koffeinfrei. Echte Tees geben weiterhin Koffein ab, etwa ein Drittel bis die Hälfte der Menge eines heißen Aufgusses bei gleichem Tee und gleicher Ziehzeit. Für ein koffeinfreies Glas gieß einen Kräutertee kalt auf.

Kann ich die Blätter wiederverwenden? Einmal, für einen kürzeren zweiten Aufguss von ein paar Stunden. Das zweite Glas ist leichter, aber immer noch angenehm, besonders bei Oolongs.

Ein Glas für jeden Tee

Die Methode bleibt immer gleich: 8 bis 10 Gramm pro Liter, kaltes Wasser, Kühlschrank, abseihen. Nur die Ziehzeit unterscheidet sich je nach Sorte. Ein sehr aufschlussreiches Experiment rund um Tee kostet nichts: Teile dieselben Blätter auf eine heiße Tasse und ein kaltes Glas auf, probiere beide nebeneinander, und du verstehst die Extraktion besser, als es ein Artikel je erklären könnte.

Wouter Gryson

Wouter Gryson is the founder of Valley of Tea. He has imported, tasted and sold single-origin teas, herbs and spices for more than 15 years, working directly with growers around the world.

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